Die Geschichte vom Lünebörger Hof

Auch ohne Aushängeschild sähe man dem behäbigen Gebäudekomplex am Ausgang Ponts nach Straelen seine Zweckbestimmung an und man würde sich nicht wundern, wenn der Gasthof „Zur alten Post“ hieße. Nun heißt er aber „Zum Lünebörger“ und niemand, auch die Eigentümer nicht, kann sagen, woher der Name kommt.

Soweit es sich zurückverfolgen lässt, heißen die Inhaber Kaets. In Pont gab es nach den alten Unterlagen neben den Familien Kaetmans und opter Kaet zwei Stämme Kaets, die auf Kaetshof am Weg nach Damm und die Lünebörger. Ursprünglich wird das Unterscheidungsmerkmal „Lünebörger“ in den Behandigungsbüchern nicht vermerkt. Nur aus der Lage der Grundstücke lässt sich schließen, welcher Kaets gemeint ist. 1535 wird Peter Kaetz an vier Morgen Land „in den ruytz“ behandigt, einer Flur, in der die Lünebörger auch heute noch zu Hause sind. Peter war Rentmeister und das ist das besondere Kennzeichen der Kaets Lünebörger: Sie waren große Bauern, aber nebenbei waren sie Rentmeister, Bürgermeister, Brauer, Gastwirte, Straßengeldeinnehmer und Fahrkartenverkäufer für die Eisenbahn. Sie taten und tun seit wenigstens 450 Jahren, was man heue den Landwirten als Allheilmittel anpreist; sie fuhren immer zweigleisig.

Wann aber nun die beiden Kaetshöfe entstanden sind und wie ihre ältesten Inhaber hießen, konnte nicht festgestellt werden. Jedenfalls fehlen sie noch in der Höfeliste von 1413 der Sammlung Buyx, während beide Höfe ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in vielen Urkunden nachweisbar sind. Die Bezeichnung Lünebörger taucht in Urkunden erst später auf: 1820 „Wilhelm Kaetz auf Lünebarger“, 1831 „Kaets Gerard Lüneborger“.

Woher kommt der Name Lünebörger, der sich sicherlich über Jahrhunderte im Volksmund erhalten hat? War es ein Unterscheidungsname für den Kaets an der Landstraße, der bei der Vorliebe der Kaets für Zweigleisigkeit im Dienste der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg stand, die als Witwe Karls von Egmond von 1538 bis 1573 auf der Burg in Geldern lebte?

Oder hieß der Vorbesitzer so? Im Kreise Geldern gibt es diesen Namen in den Telefonbüchern nicht. Man findet „Lüneborg“ vereinzelt am übrigen Niederrhein, daneben noch Lünendonk, Lünenschloß, Lünenstraß und Lünemann. Letztere Formen lassen vermuten, dass kein Herkunftsname aus dem Lüneburgischen vorliegt. 1369 gab es in Straelen-Bockholt einen Geryt Lunenborgh, in derselben Liste unter Roermond einen Eggebert von Lunenbruec. In Straelen taucht der Name nicht weiter auf. In einer Steuerliste von 1401 steht unter Bockholt ungefähr an derselben Stelle, an der 1369 Lunenborgh stand, „Henne borgelken“. Gleichzeitig und später taucht dann der Name „op der borgh“ auf.

Die Bezeichnung „Lünebörger“ ist ein Beweis dafür, wie lange sich ein Hof- oder Hausname ohne schriftlichen Rückhalt auf dem Lande halten kann.

Über die Geschichte des Hauses ließe sich noch vieles sagen, Ernstes und Heiteres. 1806 stellten zwei Angestellte der französischen Steuerbehörde fest, dass der Braukessel 4200 L fasse, indem sie einen 80-Liter-Bottich mit Wasser 52¼ mal hineinkippten. Nach der Franzosenzeit wurden die Lünebörger auch preußische Chausseegeld-Einnehmer. Die Duplikate der Abrechnungen von 1839 bis 1841 befinden sich noch im Familienbesitz. Ein Bericht hierüber und über die Rolle der Lünebörger als „Bahnbeamte“ ist ein Stück geldrische Verkehrsgeschichte für sich.